Released September 2011
Ungewöhnlich, aber nicht ungewohnt | SuperHeavy
Obacht, hier kommen Songs für den rastlosen Musik-Jetsetter. SuperHeavy mischt Musik aus verschiedensten Ecken der Welt, aus indischer und jamaikanischer Musik, aus Rock und Soul. Das wirkt auf den ersten Blick sehr gewagt, getreu dem Motto: Wer die indische Flöte schwingt, muss den Spott fürchten. Doch das Projekt ist ungewöhnlich, aber nicht ungewohnt. So befremdlich das Experiment stellenweise auch wirkt, so poppig und leicht verdaulich ist es dennoch produziert.
Musik in eine neue Richtung stoßen | SuperHeavy
Im SuperHeavy-Boot paddeln neben Jagger noch Eurythmics-Chef Dave Steward, Soul-Sängerin Joss Stone, Raggae-Star Damian Marley und der indische Komponist A. R. Rahman. Die fünf Erfolgsmusiker trafen sich Anfang 2009 ohne Plan und ohne Songideen im Studio in Los Angeles und schrieben allein in zehn Tagen 37 Stunden Musik. Kräftig geschüttelt und gerührt wurden daraus 16 Songs für die erste Platte SuperHeavy.
Erst im Mai dieses Jahres wurde das Projekt vorgestellt. Das Medienecho und die Vorfreude auf das Debüt-Album waren groß. Doch es war auch von Anfang an klar, dass die Musik von SuperHeavy die Kritikerwelt spalten würde. Auf der einen Seite Lob für das inspirierte Experiment, auf der anderen Spott für den halbherzigen Versuch sich den Button der Internationalität anzustecken. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. SuperHeavy ist kein bahnbrechendes Album, aber es ist ein beachtlicher Versuch Musik in eine neue Richtung zu stoßen.
Eine Sammlung von Puzzleteilen | SuperHeavy
Wie man hört wurde während der Sessions der ein oder andere Joint angezündet. Und Dave Steward brauchte jeden Abend seinen sieben Uhr dreißig-Martini. Ob zum Mittag indisches Essen bestellt wurde oder Damian Marley gar versucht hat Mick Jagger Rastazöpfe zu flechten, ist nicht überliefert. Aber exotisch waren die Studiotage sicher. Die Atmosphäre und die experimentelle Aufbruchsstimmung zeigt sich auch in den Aufnahmen.
Doch nur selten kommt es auf dem Album zur Super-Fusion der verschiedenen Musikstile, wie beim Opener Superheavy oder bei Satyameva, bei dem die indische Musik in den Vordergrund rückt. Vielmehr stehen hier viele Songs mit eigenem Charakter nebeneinander. Daher wirkt das Album stellenweise wie eine Sammlung von Puzzleteilen, die partout nicht zusammenpassen wollen, egal wie oft man die Teile dreht und wendet.
Kein Grund ehrfürchtig auf die Knie zu fallen | SuperHeavy
So gut gemeint der Weltmusik-Ansatz der fünf Musiker auch ist, versinkt er doch oft in einer uninnovativen Pop-Rock-Produktion erster Güte. Lückenfüller wie die Rock-Ballade Never Gonna Change sind überflüssig. Weitaus überzeugender sind die Reggae-Soul-Nummer Rock Me Gently oder die erste Single Miracle Worker. Das Album wirkt aber insgesamt noch wie eine Baustelle und Textzeilen wie „you’re a surgeon of love“, du bist ein Chirurg der Liebe, täuschen über diesen Eindruck auch nicht hinweg.
SuperHeavy ist kein Grund ehrfürchtig auf die Knie zu fallen. Es ist ein interessanter Versuch, doch man hätte mehr erwarten können. Der Einsatz der verschiedenen Musikstile wirkt plakativ. Man nehme ein Rock-Riff, etwas Reggae-Groove und Soul-Gesang, füge hier und da eine Prise indische Musik und Alternative hinzu, et voilà. Das mag alle befriedigen, für die international kaum über den Asia-Imbiss an der Ecke hinausgeht. Wir aber finden philosophisch: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Ein All-Star-Team allein gewinnt keine Spiele. Auch nicht im Musikgeschäft.
Label: Universal
Tracklisting | SuperHeavy | SuperHeavy (2011):
1. SuperHeavy
2. Unbelievable
3. Miracle Worker
4. Energy
5. Satyameva Jayathe
6. One Day One Night
7. Never Gonna Change
8. Beautiful People
9. Rock Me Gently
10. I Can’t Take It No More
11. I Don’t Mind
12. World Keeps Turning
Bonus tracks:
13. Mihaya
14. Warring People
15. Common Ground
16. Hey Captain
SuperHeavy im Netz:
[Bildrechte bei Universal | mit freundlicher Genehmigung]