Released June 2011
Touché Amoré sind fünf Jungs aus Los Angeles, Kalifornien, die mit ihrem zweiten Longplayer Parting The Sea Between Brightness And Me neuen Enthusiasmus in die Szene des melodischen Hardcore bringen. Ziemlich erstaunlich, wenn man sich etwas näher mit den Texten von Sänger Jeremy Bolm beschäftigt, der in dieses Album seine Selbstzweifel, seine Wut über die Welt und ihre Ungerechtigkeiten, eingearbeitet hat.
Für jeden Zuhörer, der der englischen Sprache mächtig ist, ist es unmöglich sich den Texten der Songs zu entziehen, die mit klaren Screamings Wort für Wort verständlich sind, und begleitet werden von harmonischen Melodien, einem wirklich hervorragenden Drumming, spielerischen Hooklines und teilweise eingesetztem Klavier, wie in dem Song „Condolences“. Touché Amoré bieten melodischen Hardcore, der eindeutig beeinflusst ist vom Emocore der 90er Jahre oder auch dem darauffolgenden sogenannten Post-Hardcore. Nicht zuletzt liegt das auch daran, dass man das erste Album To The Beat Of A Dead Horse (2009) auf dem Indie Label Collect Records von Geoff Rickly veröffentlicht hat, der zu den bekannteren Vertretern des Post-Hardcore Ende der 90er Jahre mit seiner Band Thursday gehört, und auch persönlich im Song „History Reshits Itself“ mitwirkte.
Emotionale Verwirrung garantiert
Parting The Sea Between Brightness And Me ist ein Album, das emotional verwirrt, weil es einerseits voller Wut und Erkenntnissen ist, andererseits voller Verzweiflung über diese Feststellungen und die eigene Ohnmacht ihnen gegenüber. Die einzelnen Songs wirken wie Gedichte, die mit aggressiver Musik untermalt sind, und bringen diejenigen zum Nachdenken, die sich tagtäglich fragen, warum die Menschheit trotz besseren Wissens nicht endlich die Konsequenzen zu menschenwürdigeren und gerechteren Strukturen findet, sondern sich permanent um sich selbst dreht, ohne nach vorne zu gehen. Und so wird bereits im ersten Song „Tilde“ des Albums klar formuliert, wo das Problem an sich liegt: „If actions speak louder than words I’m the most deafening noise you’ve heard. I‘ll be that ringing in your ears that will stick around for years.” Ein Versprechen, das Touché Amoré halten – nachdenken statt handeln. Dieses Album ist keine leichte Kost. Man kann es nicht nebenbei anhören und dann weg legen – es beschäftigt einen, noch lange, nachdem die Nadel am Ende der Scheibe angelangt ist. Dabei ist es nicht die Intention der Band, Parolen in die Welt zu schreien, oder Ratschläge für den Umgang mit den eigenen Problemen zu geben. Im Gegenteil: Touché Amoré sind tragische Gestalten – Antihelden, keine Vorbilder. Das wissen sie, und Vorbilder wollen sie auch nicht sein, denn all denen, die Rat bei ihnen suchen schreien sie im Song „Upper/Downer“ entgegen: To look up to me is to look down on everything“.
Ein permanentes Ringen mit sich und der Welt
Verzweiflung und Unsicherheit über die eigene Attitüde auch im Song „Pathfinder“ in dem die Feststellung gemacht wird: „I got lanes to explain the different ways I behave. A life that’s a detour to where I am not sure”. Diese Verzweiflung und Emotionalität sind so stark, dass man manchmal an Kurt Cobain denkt und sich bei der Erinnerung an dessen Abschied von dieser Welt doch Sorgen machen könnte, wohin diese Einstellung geführt hat. Aber auch darauf hat Sänger Jeremy Bolm eine Antwort parat, wenn er sich im letzten Song „Amends“ mit den Worten entschuldigend verabschiedet: „for what it‘s worth I‘m sorry and at the end I swear I‘m trying.“
Ein permanentes Ringen mit sich und der Welt, die ehrliche Reflektion von purem Leben eines nachdenklichen Menschen, begleitet von effektfreier, handwerklich guter und ehrlicher, harter Musik des Hardcoregenres – das ist es, wofür Touché Amoré stehen und womit sie den Nerv der Zeit treffen, in der die Idealisten den Realisten den Platz räumen. Auf jeden Fall ein mitreißendes Album, über das jeder selbst entscheiden sollte, welche Konsequenzen, nach einer intellektuellen Auseinandersetzung, er daraus ziehen sollte.
VÖ: 07.06.2011, Label: Deathwish, Inc.
Tracklisting:
01. Tilde (funktioniert nur mit Internet Explorer)
02. Pathfinder
03. The Great Repetition
04. Art Official
05. Uppers/Downers
06. Crutch
07. Method Act
08. Face Ghost
09. Sesame
10. Wants/Needs
11. Condolences
12. Home Away From Here
13. Amends
Discographie:
2011 – Parting The Sea Between Brightness And Me (Album)
2010 – Touché Amore / La Dispute (Split)
2010 – Touché Amoré / Make Do And Mend (Split)
2009 – …to the beat of a dead horse (Album)
2008 – Touché Amoré (EP)
Bandmitglieder:
Jeremy Bolm: Sänger
Clayton Stevens: Gitarre
Nick Steinhardt: Gitarre
Elliot Babin: Drums
Tyler Kirby: Bass
Tourdaten
Auf Tour in Europa im Juli und August mit La Dispute und Death Is Not Glamerous.
[ Bildrechte bei Deathwish, Inc. | mit freundlicher Genehmigung]