Released May 2011

Das Quarttet Death Cab For Cutie um Sänger Ben Gibbard aus Bellingham, Washington (USA) gehört inzwischen zu den ganz Großen im Alternative / Indierock. Neben einer Bandgeschichte von inzwischen 13 Jahren und einer fast jährlichen Nominierung (bis auf 2008) bei den Grammy Awards in der Indierock/Alternative Kategorie, die als eine der höchsten internationalen Auszeichnungen der Musikbranche gelten, adäquat zu den Oscars in der Filmindustrie, können sie auch auf zahlreiche Album Veröffentlichungen referieren. Nach dreijähriger Schaffenspause kommt jetzt ihr siebtes Studioalbum Codes And Keys auf den Markt.

Viel wurde im Vorfeld darüber spekuliert, ob und wie Death Cab For Cutie es schaffen können, die Qualität und den Ideenreichtum der Vorgänger mit diesem Werk zu halten. Es lässt sich sagen, sie haben sich – mal wieder – selbst übertroffen.

Harmonien in Vollendung

Harmonische Klänge, Gitarren, Keybords, Piano, Streicher und Chöre im Hintergrund wie bei „Unobstructed Views“, schaffen sphärische Effekte. All dies, begleitet von der unverwechselbaren Stimme Ben Gibbards bildet ein Gewand, in dem sich der Hörer geborgen fühlen kann. Mit der Single „You Are A Tourist“ schickten sie Anfang April einen Vorboten des Albums, der nur eine Seite dieses Albums wiederspiegelt. Ein lebensbejahender Song, mit catchiger Melodie und Mitsingfaktor. Mit dem Song „Some Boys“, der wenige Wochen später als Stream im Internet kursierte, wurde eine Kurskorrektur dieses Eindrucks eingeleitet, denn im Gegensatz zur Singleauskopplung ist es ein eher typischer Death Cab Song, der die Selbstzweifel und Ängste verunsicherter, junger Männer thematisiert und leise Töne anschlägt.

Achterbahnfahrten im musikalischen Kosmos

Damit wurden die Pole dieses Albums vorgestellt, denn beim ersten Durchhören kann man sich nie sicher sein, wie denn der nächste Song komponiert ist. Eine Achterbahn zwischen tanzbar, melodisch-popig, sphärisch-melancholisch und nachdenklich stimmend, nimmt den Zuhörer an der Hand und entführt ihn, trotz aller Gegensätze, in einen harmonisch abgestimmten, emotionalen musikalischen Kosmos. Damit werden bisherige Fans, egal ob sie „Soul Meets Body“ und  „Crooked Teeth“ vom Album Plans; „Transatlanticism“ aus ebenso benanntem Album; “Meet Me On The Equinox” aus dem Film “The Twilight Saga – New Moon”; oder  „I Will Possess Your Heart” aus dem Vorgängeralbum Narrow Stairs liebten auf ihre Kosten kommen, und ihren persönlichen Lieblingssong aus diesem Album heraushören. Wer aber nach dem Quantum „Mehr“ gesucht hat, wird erstaunt sein über die Fähigkeiten und das Können dieser Musiker, die mit einer fast unverschämten Leichtigkeit Klangteppiche erschaffen, die man schon als Opern des Indierock bezeichnen möchte. Und all das, ohne auch nur einen Moment überladen und überproduziert zu klingen.

Eiltempo ohne Schnellschuss

Dieses Fingerspitzengefühl von Ben Gibbard und seiner Crew, den Zuhörer herauszufordern, sich auf neue Kompositionen einzulassen, die immer eine Stufe an Feinheit höher klettern, ohne ihn zu überfordern, beweist einmal mehr ihre überragende Rolle in der unübersichtlichen Vielzahl an Neuveröffentlichungen im Indierock Genre. Sieben Monate hat laut Plattenfirma der komplette Produktionsprozess in Anspruch genommen – verglichen zu seinem qualitativen Output, ein stürmisches Tempo -  und einige mögen sich darüber beklagen, dass Codes And Keys zu fröhlich geworden ist für ein Death Cab Album. Den ewigen Nörglern, die einerseits immer nach Veränderungen und Neuerungen von Bands schreien und andererseits sich beschweren, wenn genau diese nicht ihren eigenen Erwartungen entsprechen sei gesagt, sie mögen doch bitte selbst erst einmal die Kunst vollbringen, solche Harmonien, die nie langweilig werden, zu schaffen. Alle anderen, die den Mut und die Neugier haben, sich auf das, was man gemeinhin als ein schönes Werk nennt, einzulassen, werden mit Codes And Keys ein Album finden, das Geschichten über Beziehungen erzählt. Beziehungen  zu sich, anderen Menschen und Orten, mit der passenden Musik zum Film im eigenen Kopfkino. Und im Abspann dazu bleibt am Ende nur eins zu sagen – mit den Worten der Meister selbst: „Stay young, go dancing“.

Label: Atlantic Records

Tracklisting:

1. Home Is A Fire
2. Codes And Keys
3. Some Boys (nur mit Internet Explorer abspielbar)
4. Doors Unlocked And Open
5. You Are A Tourist
6. Unobstructed Views
7. Monday Morning

8. Portable Television
9. Underneath The Sycamore
10.St. Peter’s Cathedral
11.Stay Young, Go Dancing

 

Discographie

Alben:

  • 2011 – Codes And Keys
  • 2008 – Something About Airplanes (Deluxe Edition Reissue)
  • 2008 – Narrow Stairs
  • 2005 – Plans
  • 2003 – Transatlanticism
  • 2001 – The Photo Album
  • 2000 – We Have the Facts and We’re Voting Yes
  • 1998 – Something About Airplanes
  • 1997 – You Can Play These Songs with Chords

EPs:

  • 2009 – The Open Door
  • 2009 – Meet Me on the Equinox
  • 2005 – The John Byrd
  • 2004 – Studio X Sessions
  • 2002 – The Stability
  • 2000 – The Forbidden Love

Bandmitglieder:

Ben Gibbard: Gesang, Gitarre, Klavier
Chris Walla: Gitarre, Klavier
Nick Harmer: Bass
Jason McGerr: Drums

[Bildrechte bei Warner Music Germany | mit freundlicher Genehmigung]